Die Speisekarte ist das meistgelesene Verkaufsdokument in deinem Restaurant. Jeder Gast hält sie in der Hand, im Schnitt drei bis vier Minuten lang. In dieser Zeit entscheidet sich, ob er das Gericht bestellt, an dem du gut verdienst – oder das billigste, das er findet.

In über 400 Restaurants habe ich Speisekarten gesehen. Die gleichen sieben Fehler tauchen immer wieder auf. Jeder einzelne kostet dich Geld, jeden Tag.

1. Zu viele Gerichte

Sechzig Positionen auf vier Seiten. Der Wirt ist stolz darauf, jeder Gast ist überfordert. Wer zu viel Auswahl hat, entscheidet sich nicht besser, sondern schneller – und greift zu dem, was er kennt. Schnitzel. Pizza Margherita. Das Günstigste.

Eine große Karte kostet dich doppelt: im Wareneinsatz, weil du für sechzig Gerichte einkaufen musst, und am Tisch, weil der Gast das nimmt, was ihm am wenigsten Nachdenken abverlangt.

Was funktioniert: Sieben Gerichte pro Kategorie. Nicht als starre Regel, sondern als Richtwert. Streich das, was sich schlecht verkauft – du weißt genau, welche Gerichte das sind. Was übrig bleibt, kannst du besser einkaufen, besser kochen und besser beschreiben.

2. Die Preisspalte am rechten Rand

Alle Preise ordentlich untereinander, rechtsbündig, in einer Spalte. Sieht aufgeräumt aus. Und verwandelt deine Karte in eine Preisliste.

Denn was macht der Gast? Er liest nicht die Gerichte, er liest die Spalte von oben nach unten und sucht die kleinste Zahl. Erst dann schaut er nach links, was es dafür gibt.

Was funktioniert: Setz den Preis direkt hinter die Beschreibung, in derselben Schriftgröße, ohne Punktlinie. Dann liest der Gast erst das Gericht – und den Preis erst, wenn er schon Appetit hat.

3. Das Eurozeichen

Ein kleines Detail mit messbarer Wirkung. Studien aus der Gastronomie zeigen seit Jahren dasselbe: Karten ohne Währungszeichen erzielen höhere Durchschnittsbons als Karten mit. Das Zeichen erinnert ans Bezahlen. Die nackte Zahl nicht.

Was funktioniert: 18 statt 18,00 €. Und keine Neunundneunzig-Preise – 18,90 wirkt im Restaurant wie ein Sonderangebot im Discounter. Runde Zahlen wirken hochwertiger.

4. Du führst das Auge nicht

Der Blick des Gastes wandert nicht zufällig über die Seite. Bei einer aufgeschlagenen Karte landet er zuerst oben rechts, dann oben links, dann in der Mitte. Diese drei Stellen sind deine besten Plätze.

In den meisten Karten steht dort: die Vorspeisen. Also das, woran du am wenigsten verdienst.

Was funktioniert: Setz deine drei stärksten Gerichte auf diese Plätze. Stark heißt: gute Marge, schnell in der Küche, kommt gut an. Der Rest ordnet sich darum herum.

5. Deine Gerichte haben keine Geschichte

„Rinderfilet mit Kartoffeln und Gemüse.“ Das ist keine Beschreibung, das ist eine Zutatenliste.

Vergleich es mit: „Rinderfilet vom Weiderind aus dem Nachbarort, dazu Rosmarinkartoffeln und Marktgemüse vom Dienstag.“ Zweite Fassung, gleiches Gericht, höherer gefühlter Wert. Der Gast zahlt nicht für Fleisch, er zahlt für das, was er sich dabei vorstellt.

Was funktioniert: Zwei Zeilen pro Gericht, mehr nicht. Woher kommt es, wie ist es gemacht, was macht es besonders. Nenn Herkunft und Handwerk – das kann kein Lieferdienst kopieren.

6. Es fehlt der Anker

Wenn auf deiner Fleischkarte alle Gerichte zwischen 16 und 22 Euro liegen, erscheinen 22 Euro teuer. Steht daneben ein Dry-Aged-Steak für 42 Euro, erscheinen dieselben 22 Euro plötzlich vernünftig.

Das teure Gericht muss sich nicht einmal gut verkaufen. Es hat seine Aufgabe erfüllt, indem es dasteht.

Was funktioniert: Ein bewusst hochpreisiges Gericht pro Kategorie. Es verschiebt den Maßstab, an dem der Gast alles andere misst.

7. Die Karte ist abgegriffen

Fettflecken, Eselsohren, eine über den alten Preis geklebte Zahl. Diese Karte sagt dem Gast mehr über deinen Betrieb als jedes Gericht darauf.

Ein Gast, der eine klebrige Karte in der Hand hält, denkt an die Küche. Nicht bewusst – aber er denkt daran.

Was funktioniert: Alle drei Monate neu drucken, Bindung und Material so wählen, dass sie das aushalten. Und wenn sich Preise ändern: neu drucken, nicht überkleben. Der Aufpreis für ordentliches Material ist niedriger als der Schaden.

Womit du morgen anfängst

Nimm deine Karte in die Hand und lies sie wie ein Gast, der zum ersten Mal bei dir sitzt. Drei Fragen:

  • Wandert mein Blick zu den Gerichten oder zu den Preisen?
  • Stehen meine besten Gerichte auf den besten Plätzen?
  • Würde ich diese Karte einem wichtigen Gast in die Hand geben?

Wenn du bei einer Frage zögerst, hast du deinen Ansatzpunkt. Und du musst es nicht allein machen: Wir gestalten Speisekarten und Drucksachen für Restaurants – von der Anordnung der Gerichte bis zum Papier, das drei Monate durchhält.

Kostenlos für Gastronomen

Jeden Monat eine Strategie, die im Restaurant wirklich funktioniert

Du hast bis hierher gelesen – dann ist der Gastro-Letter etwas für dich. Zwölf erprobte Strategien für mehr Gäste und mehr Umsatz, eine pro Monat, direkt in dein Postfach. Keine Theorie, sondern das, was in über 400 Restaurants funktioniert hat.

Gastro-Letter kostenlos sichern